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1.10.2000
Glen Affric

Ein frühes Frühstück war angesagt, um frühzeitig Glen Affric erreichen zu können, wusste ich doch nicht, wie lange ich für meine Wanderung brauchen würde. Gut gestärkt mit einem boiled egg, bacon, toast (auf den ich mich schon lange gefreut hatte!) und einer Portion Kaffee ging es auf die Fahrt. Nach Inverness, das für hiesige Verhältnisse riesig erschien, tauchte das berühmte Loch Ness auf, ohne dass sich allerdings Nessie blicken ließ. Nach einigen Kilometern erschien am Horizont die Silhouette von Urquhart Castle, bereits persönlich bekannt von früheren Besuchen. Deshalb ließ ich die Burgruine links liegen und bog vorher in Drumnadrochit von der Hauptstraße Richtung Cannich ab. Schließlich wechselte ich auf eine schmale Straße mit nur einer Fahrspur, aber vielen Ausweichstellen, wie sie insbesondere im Norden Schottlands üblich sind. Sechs Meilen bis zum Glen Affric war als Entfernung vorgegeben, die Fahrt schien aber endlos durch ein zunehmend engeres und dicht baumbestandenes Tal. Einige Angebote, vor dem Ende der langen Sackgasse zu parken, schlug ich aus, wollte ich doch möglichst tief in das Tal vorstoßen. Schließlich war der letzte Parkplatz erreicht und ich begann, mich auf die Wanderung vorzubereiten. Wanderschuhe, Parka sowie Regenjacke und –hose waren bereit. Letztere Drei mussten jedoch nicht bemüht werden, da die Sonne noch sehr zwischen nur einigen Wolken wärmte. Dies sollte sich jedoch nach Mitteilung eines Parkplatz-Nachbarn ab Mittag ändern. Jener fragte, ob ich denn auch auf einen „Munro“ sollte. Dies sind Berge, welche so genannt werden, wenn sie ein Höhe von umgerechnet mindestens 914 Metern (3000 feet) aufweisen. Ich verneinte dankend und der „Munroist“ (so nennt man die tatsächlich, die auf einen Munro laufen), verschwand marschierend in kurzen Hosen, aber mit doch sehr nach Gamaschen ausschauendem Spritzschutz an den Unterschenkeln, dessen Nutzen ich sehr bald erfahren sollte.

Dann legte auch ich los, und im kurzärmeligen Hemd ging es zunächst auf recht befestigtem Weg den Fluss Affric, der dem Tal seinen Namen gab, durch einen recht dichten Wald. Vorher ließ sich aber bereits auf einer Brücke erahnen, in welche Schönheit ich in diesem Tal eintauchen würde, gab doch der sich öffnende Glen Affric - River AffricFluss Affric einen kleinen Einblick in das Tal und auf die Berghänge preis (Bild li.). Und tatsächlich, mit Erreichen der „Affric Lodge“, eines leider als privat abgesperrten Teiles, aber wunderschön auf einer Halbinsel gelegen, weitete sich der Blick auf ein unglaublich unberührtes Tal. Es hatte, unterstützt durch die scheinende Sonne, ein solches Grün in sich, das schon fast unwirklich erschien: grüne Grashänge bis fast in den Himmel oder, seltener, bis an die Vegetationsgrenze, die in den Grampians und auch sonst im Norden Schottlands weit tiefer als anderswo liegt. In diesen, wie sich später zeigte, sehr moorigen Wiesen, standen einige „Pine Wood-“, also Kiefern-Bäume, welche sich später mehren sollten, als ich ein Schutzgatter passierte, welches installiert wurde, um dieses zur Wiederaufforstung bestimmte Gebiet vor mit Verbiss verbundenem Besuch des Wildes zu schützen. Vorher galt es aber einen von vielen Bächen zu überqueren, dieser auf einem Brett, welches auf einem Baumstamm von rund 20 Zentimetern Breite aufgelegt war. Diese Bäche trugen nach Verlassen des Wiederaufforstungsgebietes dazu bei, dass das Geläuf teilweise tiefer und nasser, sprich mooriger wurde. Einige Bäche wurden durchwatet, andere auf Steinen überquert. Dazwischen gab es immer wieder den einen oder anderen kleinen Aufstieg zu bewältigen, zu dieser Zeit noch ein recht leichtes Unterfangen. Zu dieser Zeit waren fast zwei Stunden vergangen und es war kurz nach 12 Uhr mittags, als es eine Wasserfall namens „Sputan Bán“ zu bestaunen, dessen Wassermassen später als schnelle fließender Bach gottlob über eine Brücke passiert werden konnten. Langsam wurden dann aber doch die Anstiege mühsamer, doch musste ich mich nur umschauen, weswegen ich dies alles tat. Immer noch hielt das Wetter, und alles um mich herum schein verwunschen, aber unglaublich schön: grüne Hänge, seichte Moore, vereinzelte Baumgruppen und ein mittlerweile etwas entfernteres Loch Affric sowie der BlickGlen Affric - Loch Affric in das hintere Glen Affric hinter dem Ende des Lochs (Bild re.). Gegen 13 Uhr erreichte erreichte ich dann die Brücke über den Affric, der Wendepunkt auf meiner Tour.
Kurz zuvor hatte ich die Gelegenheit, an einer Weggabelung weiter in das Glen Affric vorzustoßen und womöglich die Westküste zu erreichen. Hiervon nahm ich aber Abstand, denn einerseits verschlechterten sich sowohl meine Kondition als auch das Wetter erheblich (womit der Munroist Recht behalten sollte), andererseits musste ich auch meinen Wagen auf dem Parkplatz wieder erreichen. So machte ich mich nach nur kurzer Pause mit Stärkung mittels mitgebrachtem Proviant wieder auf den Rückweg auf dem südlichen Ufergebiet des Loch Affric. Leider nahm der Regen an Stärke zu und meine Kräfte zusehends ab, so dass es zunehmend schwerer wurde, den Weg mit vielen Auf und Abs zu bewältigen und die Schönheit dieses Tales zu genießen. Aber Gott sei Dank trug ich noch die Erinnerungen des Hinweges in mir, was die Unbilden des Rückweges doch leichter zu überstehen half. So durchquerte ich auch das südliche Wiederaufforstungsgebiet und half mir bei den zunehmenden kurzen Verschnaufpausen auch mit einem Blick auf die Landranger-Karte. Dort konnte ich feststellen, schon mit Erreichen der Brücke rund drei Fünftel des Weges geschafft zu haben, da der Hinweg in einem Bogen um das Moorgebiet nahe des Lochs herum geführt wurde, der Rückweg aber über eine befestigte, weil als Fahrweg zu der an der Brücke gelegenen „Strawberry Cottage“ benutzten Strecke führte. Als ich dann das Hinweisschild der „Scottish Society for the Right of Public Way“ passierte, welches einen für mich nicht erkennbaren Weg nach
Glen Affric - Südseite Loch AffricCougie wies und einen umgestürzten, kahlen Baum mit vielen wilden Verästelungen inmitten des jetzt dichter gewordenen Waldes erblickte, war es dann nicht mehr weit (Bild li.). Mittlerweile hatte ich mich und meine jetzt nicht mehr so mit machenden Beinmuskulatur mit der Aussicht auf einen tiefen Schluck aus meinem Mineralwasser-Vorrat getröstet, welcher sich im Wagen befand.

Endlich war es dann geschafft. Die Brücke, an der de Wanderung ihren Anfang nahm, war erreicht. Ein letzter Blick auf das rauschende Wasser des Affric und das Tal, dann ging es in einem kurzen Anstieg hinauf zum Parkplatz. Viereinhalb Stunden waren nun seit dem Start vorbei, es war erst ein Viertel vor drei Uhr nachmittags, obwohl das regnerische Wetter eine spätere Uhrzeit suggerierte. Die Tour war vorbei und es hatte sich gelohnt, sehr gelohnt sogar, die Mühen waren es wert gewesen.

Nach erster Stärkung und dem Wechsel der komplett durchgeschwitzten Kleidung ging es dann auf die Rückfahrt mit einem kurzen Stopp am Loch Ness. Dort wartete ein Dudelsackspieler auf sein Auditorium von mehr oder minder zufällig vorbei kommenden Touristen, um ihnen – möglichst gegen Entrichtung eines kleinen Obulus' – mit seiner Bagpipe aufzuspielen. Dann ging es wieder Richtung Inverness und schließlich Elgin. Nunmehr meldete sich verstärkt mein Magen und verlangte nach Stärkung, was durch Einnahme des klassischen Fish'n'chips – begleitet von einem kräftigen Schluck Budweiser (die amerikanische Version) – erfolgte. Nach Rückkehr in das heimische Ardgye House hieß es dann erst einmal, die verschwitzten Sachen zum Trocknen aufzuhängen und die doch dringend erforderlich gewesenen Wanderschuhe vom Dreck zu befreien. Als dies erledigt war, wollte ich die gedrehten Videoaufnahmen noch einmal betrachten und mir einen schönen, geruhsamen Abend machen.

Aber daraus wurde nichts.

Die Videokamera streikte und gab Geräusche von sich, die auf nichts Gutes hindeuteten. Zum Glück hatte ich mein Uhrmacherwerkzeug dabei, das zum Lösen der zum Teil sehr kleinen Schrauben erforderlich war. Ich machte mich daran, den Fehler zu suchen. Nach dem Öffnen und einigen Versuchen mit der Bandführung entdeckte ich den Fehler: eine kleine schmale Führungsrolle steckte nicht mehr an ihrer Stelle. Ein leichte Schütteln brachte sie zum Vorschein und nach Wiedereinbau und Feinjustierung unter dem als Lupe dienenden Okular des mitgebrachten Teleskops war das Gerät wieder einsatzbereit. Dies stimmte mich sehr froh, denn der Reparaturversuchs schien am Anfang aussichtslos zu sein, was deshalb entsprechenden Ärger und Frust trotz des schönen Wetters in mir hervorgerufen hatte. Dies war aber nun schlagartig vorbei, der Abend war gerettet, nachdem der Tag bereits so schön gewesen war, dass er durch nahezu nichts mehr zu vermiesen war.

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Letzte Änderung / last revised: 27.12.2003

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